Vorfreude

Am Nikolaustag sollte es geschehen. Sie wollten den Kindern eine Freude machen und auf dem Marktplatz Schlittschuhlaufen.

Doch es kam nicht dazu. Das Auto sprang nicht an und sie blieben zuhause.

Den Eltern tat es leid. Doch sie sangen Lieder zusammen.
Es wurde ein schöner Abend. Die Vorfreude war nicht umsonst gewesen.

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Fallobst

Wenn die Äpfel groß und rund wurden, fielen sie meist vom Stamm. Vom Aufprall erhielten sie braune Flecken und wenn man nicht aufpasste, verrottete ein Apfel im Nu.

Deshalb machte Lisa sich früh morgens auf den Weg zum Ende des Gartens. Dort erspähte sie auf dem Boden einen grasgrünen Backapfel,der vom Aufprall noch unversehrt blieb.

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Sie entschloss, ihn zu entkernen, ihn mit einer Mischung aus zerhackten Korinthen und Haselnüssen zu füllen, ihn in einen Teigmantel zu hüllen und daraus einen Apfel im Schlafrock zu machen.

Gesagt, getan.

Als sie vom Einkauf zurückkam, sah sie nur die Überreste auf dem Teller liegen. Daneben lag der Kopf ihres schlummernden Ehemannes.

„Liebes. So etwas Leckeres habe ich schon lange nicht mehr gegessen. Es war ein Gedicht.“

Lise konnte nun ihrem Mann nicht mehr böse werden.

Morgen würde sie endlich die anderen Äpfel ernten und einen Apfelstreuselkuchen backen.

Sommerblumen

 

Wenn die Sonne am höchsten stand, kam Heike nach draußen und schaute sich die Sonnenblumen an, die sich gegen das Licht emporwanden. Sie wünschte, dass sie selber eine Sonnenblume wäre.

Doch ihr Gang war gebückt, als würde alle Last sie niederdrücken, als würde sie alle Sorgen dieser Welt tragen.

Doch umso mehr erfreute sie sich der Sonnenstrahlen und der Lichtflut, die mittags hereintraf.

An Regentagen zählte sie die Tropfen auf den verfächerten grünen Blättern der Sonnenblumen.

Ach, würde der Sommer nur ewig währen. Auf ihren nackten Füßen überquerte sie die Betonplatten auf der Terasse.

Und schon weilten ihre Gedanken gen Himmel. Kaum eine Wolke war zu sehen.

„Komisch“,dachte Heike. Dabei hatte es gerade so wie aus Kübeln geregnet.

Und schon richtete sie sich auf und streckte sich nach den süßen Kirschen an den Zweigen ihres Baumes.

Zuguterletzt trat Freude ein in ihr Leben. Die Kirschensteine spuckte sie ins Blumenbeet.

Vielleicht wird dort nächstes Jahr ein Ableger wachsen.

Welch heilloses Durcheinander.

 

 

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Närrische Zeit

Schon als kleines Kind träumte Helen davon, ein Funkmariechen zu werden.

Doch ihr Traum sollte nie in Erfüllung gehen. Ihre Eltern hatten vier Kinder und da reichte das Geld nicht aus, einem Karnevalsverein beizutreten.

Zudem fehlte es Helen an Talent, wenn sie die Beine anwinkeln wollte, sah das nie graziös aus.

Die Jahre gingen dahin. Und dieser Traum war schon längst vergessen.

Helen war ein bisschen pummelig geworden und hatte schöne rote Backen bekommen.

Ihre Kinder gingen in die Grundschule. Sie liebte es, Mutter zu sein.

Ihr Mann kam nach Hause und meinte: „Ich habe unerwartet Karten für den Rosenmontagszug in Köln bekommen. Mache die Kinder fertig und es geht los.“

Im Handumdrehen waren Emil und Heidi in ihren Clownskostümen. Nur Helen hatte nichts zum Anziehen.

Da kam ihr eine Idee. Sie nahm einen Schrubber in die Hand und sagte:“Nun kann es losgehen.“

Ihre Karnevalbekleidung war der einer Hausfrau.

Von der Tribüne sah die Familie dem närrischen Treiben zu. Mit ihren umgedrehten Schirmen fingen sie viele Bonbons ein.

Die Kinder liefen ihr in den Clownskostümen voran und ihr Mann schlenderte auf dem Heimweh in einem Cowboy-Outfit neben ihr her.

„Kann ich ein Foto von Ihnen machen für unsere Tageszeitung?“, fragte ein Pressefotograf die Familie.

Alle posierten und schienen es zu genießen, im Mittelpunkt des Interesses zu sein.

Am nächsten Tag schlug Helen die Zeitung auf und fand sich und ihre Familie auf der Titelseite wieder.

Darüber war die Schlagzeile: „Närrisches Treiben in Köln-Hausfrau und Cowboy machten das Rennen im Kostümwettbewerb. Herzlichen Glückwunsch“

Helen strahlte über das ganze Gesicht. „Gut, dass ich kein Funkmariechen war. So war ich einmal im Leben im Mittelpunkt.“

Dann machte sie sich freudig an die Arbeit.

 

 

Frühjahrsputz

Die Sonne schien warm. Und da sah Ulrike die Streifen auf ihren Fensterscheiben.

Es dauerte nicht lange und sie machte sich voller Inbrunst an die Arbeit. Der lederne Fensterputzlappen, der Putzeimer wurden aus der Abstellkammer hervorgeholt.

Als die frische Luft ins Zimmer strömte, fühlte sie den Frühling herannahen.

Am nächsten Morgen schaute sie aus dem Fenster und sah den Raureif auf dem Gras. Sie hatte sich wohl zu früh gefreut.

Denn der Winter war wieder eingekehrt.

Eine Schalbe macht noch keinen Sommer.

Doch der Frühjahrsputz erwärmte ihr Herz und erweckte eine Vorfreude in ihr.

„Bald wird der Garten an die Reihe kommen.“, sagte sie zu ihrem Mann.

Dieser nickte und las seine Zeitung in aller Ruhe. Er sah wohlwollend seiner Frau bei ihrem Treiben zu.

 

Eine einzelne Rose

Marika wünschte sich nicht viel zum Valentinstag. Sie wünschte sich eine einzelne rote Rose von ihrem Mann.

Man könnte glauben, dass dieser Wunsch bescheiden sei. Doch gerade an diesem Tag waren Blumen besonders teuer.

Und ihr Mann war ein Pragmatiker. Als er ins Blumengeschäft hineinging, ahnte er schon, dass es teurer werden würde. Doch, als er die Preise sah, besannte er sich eines besseren.

Er liebte seine Frau über alles. Aber die Hypothek musste noch abbezahlt werden und ein Kind war auch schon unterwegs.

Er buchte ein Wellness-Wochenende zu zweit. Das wären vielleicht die wenigen Momente, die sie als Paar noch zusammen haben würden.

Diese wollte er versüßen.

Als er die Haustür aufmachte, kam ihm schon der Essensgeruch entgegen. Wie schön es war, nach Hause zu kommen.

Er sah Marikas traurigen Blick. Schnell übergab er ihr das Kuvert mit der Buchungsbestätigung. Erwartungsvoll machte sie es auf.

„Das ist wirklich die beste Idee, die Du schon seit langem hattest, Karl-Heinz“, sagte sie wohlwollend und gab ihm einen Kuss auf den Mund.

Zum Essen kamen beide schon gar nicht mehr. Diese Geschichte werde ich ein anderes Mal erzählen.

Eine Reise zu zweit kann besser sei  als eine einzelne rote Rose.

Der ergraute Mann

Viele Jahre lebte er in Einsamkeit und träumte nur von dieser einen Frau.

Doch, wenn sie sich ihm näherte, wies er sie zurück.

„Du bist zwar ein Edelstein; aber der letzte Schliff fehlt noch.“

Dann heiratete sie einen anderen. Sie bekam viele Kinder und wurde rundlich, bekam rote Backen und war voll und ganz zufrieden mit sich selber.

Er selber ergraute, wurde reich und wusste mit seinem Reichtum nichts anzufangen. Das Geld vermehrte sich auf der Bank.

Als er sie wiedersah, waren ihre Kinder bereits groß. Ihr Mann hatte sie schon längst wegen einer anderen jüngeren verlassen.

Doch dennoch konnte sein Reichtum sie nicht anlocken.

„Ich bin ganz glücklich mit meinem Leben. Ich habe meine kleine Firma. Ich komme so gerade über die Runden.“ Dabei strahlte sie über das ganze Gesicht.

Nun bereute er seine Worte, die er vor Jahren aussprach.

Er bemerkte zu spät, dass er sie mit seiner Kritik davongetrieben hatte.

Denn in Wirklichkeit war sie ein runder Kieselstein, der von den Wogen des Meeres glatt gerieben wurde. Sie ruhte in sich selbst.

Das war der eigentlicge Grund, warum seine Worte von ihm abgeprallen waren.

Als er starb, ging sein Geld an eine Stiftung für Waisenkinder. Sein Testament sollte nun Kindern nützen, die niemanden hatten.

Beim Verfassen desselben dachte er an alle die Kinder, der liebend gern mit ihr gehabt hätte.

Seine unerfüllte Liebe sollte eine Erfüllung finden und das Graue seines Lebens sollte noch in seinem Tode einen Sinn finden.