Der ergraute Mann

Viele Jahre lebte er in Einsamkeit und träumte nur von dieser einen Frau.

Doch, wenn sie sich ihm näherte, wies er sie zurück.

„Du bist zwar ein Edelstein; aber der letzte Schliff fehlt noch.“

Dann heiratete sie einen anderen. Sie bekam viele Kinder und wurde rundlich, bekam rote Backen und war voll und ganz zufrieden mit sich selbst.

Er  ergraute, wurde reich und wusste mit seinem Reichtum nichts anzufangen. Das Geld vermehrte sich auf der Bank.

Als er sie wiedersah, waren ihre Kinder bereits groß. Ihr Mann hatte sie schon längst wegen einer anderen jüngeren verlassen.

Doch dennoch konnte sein Reichtum sie nicht anlocken.

„Ich bin ganz glücklich mit meinem Leben. Ich habe meine kleine Firma. Ich komme gut über die Runden.“ Dabei strahlte sie über das ganze Gesicht.

Nun bereute er seine Worte, die er vor Jahren aussprach.

Er bemerkte zu spät, dass er sie mit seiner Kritik davongetrieben hatte.

Denn in Wirklichkeit war sie ein runder Kieselstein, der von den Wogen des Meeres glatt gerieben wurde. Sie ruhte in sich selbst.

 

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Das war der eigentliche Grund, warum seine Worte von ihm abgeprallen waren.

Als er starb, ging sein Geld an eine Stiftung für Waisenkinder. Sein Testament sollte nun Kindern nützen, die niemanden hatten.

Beim Verfassen desselben dachte er an alle die Kinder, der liebend gern mit ihr gehabt hätte.

Seine unerfüllte Liebe sollte eine Erfüllung finden und das Graue seines Lebens sollte noch in seinem Tode einen Sinn finden.

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